Zeitgeist

Bryans Gentlemans Club8 min read

12. Januar 2020 5 min read

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Der Bryans Gentlemens Club ist ein Ruhe- und Wohlfühlort, angepasst an die Bedürfnisse und Wünsche eines wahren Gentlemans. Beim Betreten der Location kann man deutlich erkennen, dass dies kein gewöhnlicher Herrenfriseur ist. Die Lounge soll nicht nur als Wartebereich, sondern unter anderem auch als Rückzugsort für jeder Mann dienen. Hier kann Mann sich an ausgewählten Getränken selbst bedienen. Ganz nach diesem Motto wollten wir noch viel mehr von Bryan wissen.

Wer bist du und was machst du?

Ich bin Bryan Fernandez, bin 24 Jahre jung, und bin Barbier, also ein reiner Herrenfriseur. Das beinhaltet Rasieren, Schneiden und Bart trimmen, kein Färben oder irgendwas desgleichen. Ich veranstalte hier im Bryans Gentlemens Club auch ab und zu kleinere Events. Das mache ich hauptsächlich, um die Stadt kulturell zu bereichern. Ich versuche auch, jeden Freitag Jam-Sessions zu halten. Das Ziel ist zudem, einmal im Monat ein Alternativ-Event zu starten, wo sich Künstler aus Pforzheim im Laden präsentieren dürfen. 

Wie schaffst du es, die große Ladenfläche alleine zu unterhalten? 

Meine Schwester Cindy studiert Ressourceneffizienz-Management an der Hochschule in Pforzheim. Wir haben ausgerechnet, was meine Fixkosten im Monat sind und wie viele Haarschnitte ich pro Tag ausführen müsste, um im Plus zu landen. Da hat sich relativ schnell herauskristallisiert, dass ich bei 5 Haarschnitten pro Tag den „Break-Even-Point“ erreiche. Momentan bin ich komplett ausgebucht bei bis zu 20 Haarschnitten pro Tag. 

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Wie lange gibt es den Bryans Gentlemens Club schon? 

Momentan bin ich im 5. Monat. Ich habe es so gelernt im „Barbers“, dass man für einen Haarschnitt – also ein Handwerk – tatsächlich auch einen gelernten Handwerker bezahlt. Handwerker, vor allem in der Friseurbranche, sind momentan ziemlich unterbezahlt. Gute Friseure mit gutem Arbeitsklima, die nicht auf das „Schnell-Schneider“ Konzept aus sind – sowas fehlt einfach.

Warum genau hast du Bryans Gentlemens Club hier eröffnet? 

Musik ist eine große Leidenschaft von mir und ich wollte ein Arbeitsverhältnis schaffen, wo ich täglich gerne her komme und wo auch die Kunden gerne sind. Ich sage es so oft: ich hab’ den geilsten Job der Welt. Ich unterhalte mich mit den Kunden, danach bleiben sie noch eine Weile und trinken ein Bier oder so. Es ist echt super! Das war der Grund warum ich den Laden aufgemacht habe. Ein Ort, wo sich junge und kreative Menschen treffen und zurückziehen können. Das Haareschneiden habe ich dann irgendwann als Berufung ausgewählt und wurde bestens ausgebildet, aber es ist wirklich das Gesamtpaket hier. 

Um da genauer drauf einzugehen, was ist dein Konzept hier?

Es ging schon immer um die Kultur und um die Entwicklung hier in Pforzheim. Mein Innenausstatter ist auch ein selbständiger Kunsthandwerker und wir haben uns einfach zum Ziel gesetzt, dass wir mit dem Bryans Gentlemens Club Pforzheim schöner haben wollen. Sei es das Ambiente, die Kultur oder die Kunst. Wir wollten Platz für Kultur bieten. Es wurden viele Proberäume und Ateliers in Pforzheim geschlossen, deswegen wollten wir neuen Raum dafür schaffen. Um die Leute daran zu erinnern, wie schön die Stadt sein kann. 

Warum hast du dich für Pforzheim entschieden? 

Vor ein paar Jahren hab ich hier mal einen „tag“ an einer Wand gesehen und da stand drauf „Berlin kann jeder, Pforzheim muss man wollen“ – das hat mich echt inspiriert. Die Stadt hat so viel Potential und das ist auch der Grund, warum ich hier geblieben bin. Wenn du in eine andere Stadt gehst, bist du einer von vielen kreativen Leuten.

Hier hast du absolute Freiheit und kannst machen, was du willst. Das haben hier auch schon mehrere Leute erkannt, sei es der Sascha vom „Unverpackt“, die Jungs vom „Stoff und Schnaps“ oder der „Barbers“. Und die Stadt kapiert es, glaub’ ich, langsam auch. Das „Kupferdächle“ hat jetzt auch eine Rasenfläche dazu bekommen, es bewegt sich auf jeden Fall etwas. 

Wo gehst du in Pforzheim am liebsten hin? 

Ich würde sagen, meine Freunde und die Leute, die ich hier kenne. Pforzheim ist wie ein großes Dorf. Wenn man von außen kommt und das alles noch nicht kennt, wirkt es vielleicht etwas abwertend. Aber ich liebe die Stadt einfach wegen der Menschen. Ich habe davor eine Weile in Stuttgart gewohnt und das war mir alles sehr unpersönlich.

Gibt es eine Situation, an die du dich besonders erinnerst?

Was Gutes, das mir in Erinnerung bleibt, ist der Tag, an dem Vince hier gespielt hat. Er hat hier eine kleine Akustik-Session gemacht und wir hatten einen echt schönen Abend mit schöner Musik. Es ging auch relativ lange, weil sich keiner beschwerte und der Laden war voll. Wirklich einer der schönsten Abende, die ich hier erleben durfte. 

Gibt es beim Bryans Gentlemens Club etwas, mit dem man nicht rechnen würde? 

Worauf man vielleicht nicht gefasst ist, ist die Tatsache, dass ich zu ehrlich bin. Vor allem der Kosmetik-Branche gegenüber. Es gibt Produkte, die ich sinnfrei finde und auch nicht verkaufe. So was wie Bartöl, Kopfhautwasser und zu teure Shampoos für einen Mann. Deshalb berate ich hier auf jeden Fall immer ehrlich.

Was sollte sich deiner Meinung nach in Pforzheim verändern? 

Mehr Angebot für junge Leute. Wir brauchen kreative Leute und da draußen gibt es genug. Das sollten wir einfach mal bewerben. Was ihr da leistet in den sozialen Medien, ist einfach schön zu sehen. Wir können die Leute nicht an Pforzheim binden, weil wir zu wenige Angebote haben für junge und kreative Leute.

Es bewegt sich, glaube ich, langsam in die Richtung, wo wir eine Chance haben, die Leute hier zu behalten. Ganz klar gehört da auch dazu, dass wir die Industrie in Pforzheim vorwärts bringen. Die schaffen Arbeitsplätze und gerade die Leute von der Wirtschaft müssen wir genauso abholen wie die Gestalter. Vor allem, weil wir hier die Leute haben, die das studieren. 

Standort

Welche Auswirkung hat „Bryan’s Gentlemans Club“ auf Pforzheim? 

Einen „Schnell-Schneider“ weniger. Ich glaube, das ist das einzige, was ich gerade leisten kann, weil ich eben noch sehr frisch hier bin. Aber ich denk’ mal, da wird noch einiges kommen. 

Worauf bist du von dem, was du bisher erreicht hast, besonders stolz? 

Dass ich keine Vorfinanzierung gebraucht habe. Die Leute haben so dringend auf einen ordentlichen Barbier gewartet, dass ich nicht vorfinanzieren musste. Das gibt auch eine gewisse Sicherheit.

Öffnungszeiten

  • MondayGeschlossen
  • Tuesday10:00 – 17:00 Uhr
  • Wednesday10:00 – 21:30 Uhr
  • Thursday10:00 – 17:00 Uhr
  • Friday10:00 – 21:30 Uhr
  • Saturday10:00 – 20:00 Uhr
  • SundayGeschlossen

Was hältst du von unserem Projekt „Pforzheim Next“?

Super geil! Auch „PFunity“ finde ich super. Ihr macht Leute darauf aufmerksam, dass Pforzheim nicht so ist, wie man es vielleicht kennt. Ich finde eure Arbeit sehr wichtig. Es sollten sich mehr Leute für Pforzheim so bemühen, wie ihr es tut. Pforzheim ist wirklich schön und das darf man nicht vergessen. 

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