Kulturgut

Kommunale Kino8 min read

13. August 2020 5 min read

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Kommunale Kino8 min read

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Das Kommunale Kino Pforzheim besteht schon seit über 30 Jahren und prägt die Pforzheimer Kulturszene nachhaltig und erfrischend. Mit großer Hingabe und Leidenschaft versucht ein Team aus engagierten Menschen einen Mehrwert für die Stadt zu bieten. Wir haben viele schöne Hintergrundinformationen sammeln dürfen, die den Blick auf diese Institution verändern könnten.

Wer bist du?

Ich bin Sebastian Hilscher, im Moment in der Geschäftsführung im Koki, da unsere eigentliche Geschäftsführerin, Christine Müh, gerade im Sabbatical ist. Zusammen mit dem Kollegen Martin Koch leite ich bis zum Ende des Jahres das Kino und die Open-Airs.

Seit wann gibt es das Kommunale Kino? 

Mittlerweile seit über 30 Jahren. Angefangen hat es als reiner Verein, wie die meisten Kommunalen Kinos. In kleinen Räumlichkeiten mit Menschen, die das mit viel Herzblut rein ehrenamtlich aufgebaut haben. Es hat sich natürlich immer weiterentwickelt und ist jetzt seit 13 Jahren in dem Gebäude vom Stadtbau am Schlosspark, welches der letzte Schritt zur Professionalisierung war. Mittlerweile ist auch nicht nur der Verein der Träger, sondern der eigentliche Kinobetrieb ist ausgelagert als gemeinnützige GmbH in Trägerschaft des Vereins. Tatsächlich ist das die Geschichte der meisten Kommunalen Kinos. 

Wo war das Kino vorher?

 In der Jägerpassage, wo es auch noch „Cinema“ hieß und nicht “Kommunales Kino”. 

Wie lautet das Konzept?

Wir haben ja eine etwas zweigeteilte Kinolandschaft in Deutschland. Der eine Bereich fokussiert sich auf die aktuellen Blockbuster-Produktionen und der Programmkino Bereich plant mit etwas mehr Vorlauf, welcher sich auch auf Veranstaltungen und Filme, die in einem kommerziellen Rahmen nicht unbedingt gut laufen können, fokussiert.

Ein großer Konzeptpunkt ist auch, dem Namen alle Ehre zu machen und die Stadt mit einzubinden, indem man zum Beispiel schaut, welche Themen grade in der Stadt brennen und wie man diese filmisch und mit Veranstaltungen begleiten kann. Zudem zeigen wir in diesem einem Saal eine große Vielfalt an Filmen. Das KoKi in Pforzheim deckt sehr viele Themenbereiche ab: von Kunst über Politik, Musik, und so weiter. Das kann man natürlich nur in einem Rahmen machen, in dem man am Ende nicht auf ein finanziell dickes Plus angewiesen ist. 

Welche Events bietet das Kommunal Kino sonst noch an?

Aktuell sind wir natürlich mit der Planung vom Open-Air Kino im Osterfeld beschäftigt. Da haben wir dieses Jahr das 25-jährige Jubiläum. Schade ist, dass wir dieses Jahr nur 250 Plätze haben wegen den momentanen Umstände der Corona-Krise. Im Vergleich zu den eigentlichen 1200 Plätzen ist das leider sehr wenig. Verteilt über die Open-Air Dauer haben wir 19 Vorstellungen, jeweils mit interessantem Vorprogramm. Es lohnt sich also, vorbei zu schauen.

Was wir auch anbieten ist das „Kino in Wheels“, wo wir mit unserem Equipment vor Ort gehen und dort quasi ein provisorisches Kino aufbauen. Ziel ist es, die Menschen zusammen zu bringen, selbst wenn wir dafür zu den Menschen gehen. Ein Kinderkino bieten wir auch an: mit einem Programm für die Kleinen nach der Vorstellung, wo sie basteln oder sonstiges tun können. Also einfach Mal in das Programmheft schauen! Ich denke, da ist ein Film oder ein Event für jeden dabei. 

Wer sollte sich Filme bei euch ansehen und warum? 

 Wichtig ist nicht, finde ich, wo man einen Film schaut, sondern wie man ihn schaut. Wir haben so viel Massenware, auch im kulturellen Bereich. Um auf das „Warum“ zu antworten: weil man sich bewusst entscheidet, einen Film anzuschauen. Man plant sich die Zeit für einen schönen, anregenden, lustigen oder traurigen Abend im Kino ein, wo wirklich nur der Film läuft und keine anderen Ablenkungen vorhanden sind. In einem Raum voller Menschen, die man nicht unbedingt kennt, das gleiche Erlebnis zu haben, ist etwas wirklich Schönes und Verbindendes. Das kann man nur in einem geschützten Raum wie zum Beispiel einem Kino oder einem Theater oder etwas in der Art. Ich denke, damit ist auch das „Wer“ beantwortet, da es was für jeden ist und auch sein sollte. 

Organisiert ihr auch Dinge um eine Filmvorstellung herum?

Ja, sehr oft sogar. Wir versuchen auch oft, interessante Gäste hier zu haben, mit denen man nach dem Film nochmal ins Gespräch kommen kann. Einmal im Monat haben wir auch das „Kino verbindet“-Format wo man nach dem Film noch zusammen was isst. Da bereiten Leute mit einem Migrationshintergrund ein super Buffet vor, welches man dann nach dem Film zusammen isst. Manche Sachen bekommt man so in der Öffentlichkeit nicht unbedingt mit, wie zum Beispiel die Kinder-Kino-Gruppe, die ich vorher erwähnt hatte. 

Wie finanziert sich das Kommunale Kino?

Zu 80% von Eintrittsgeldern. Wir sind natürlich gefördert und bekommen von der Stadt, vom Land und auch von europäischen Programmen eine Förderung, aber diese Fördermittel decken nur 20% ab. Für eine Kultureinrichtung ist das natürlich eine ganz schöne Herausforderung. Mit 100 Plätzen und einem ambitioniertem Programm ist es, meiner Meinung nach, zu wenig gefördert. Sag’ ich mal so frei heraus.

Das betrifft natürlich nicht nur die Kommunalen Kinos. Dieser Zwang, eben auch kommerziell mit wirtschaftlichen Interessen arbeiten zu müssen, ist für unsere Aufgabe nicht immer gut. So geht es aber leider vielen Kultureinrichtungen, so eine Eigenfinanzierung ist manchmal sehr schwer zu stemmen. Das merkt man vor allem jetzt in der Corona Zeit. Da fließt manches Geld in Kanäle, wo man sich wundert, ob es dort gut aufgehoben ist. 

Welchen Beitrag leistet das Kommunale Kino zur Pforzheimer Kultur?

Ich glaube, der Beitrag für die Stadt ist sehr breit gefächert. Ein Vorteil vom Kino ist, dass es sehr niederschwellig und vergleichsweise günstig ist. Viele Gedanken, die im hochkulturellen Bereich anfallen, fallen hier eben weg. Wir bieten an 364 Tagen im Jahr einen Raum, wo man hingehen kann. Bis vor vier Jahren hatten wir hier an Heiligabend keine Vorstellungen, bis ich gesagt hatte, dass ich das gerne machen würde. Das Erste Mal, wo es schließlich angeboten wurde, waren viele Leute sehr dankbar, dass sie hier her kommen konnten und nicht nur alleine Zuhause herumsitzen mussten. Eine Dame schaute sich an dem Tag alle drei Vorstellungen an, hatte für danach einen kleinen Picknickkorb dabei und sagt, dass es der beste Heiligabend war, den sie sich vorstellen konnte. Das bleibt für mich in Erinnerung und ich denke, deshalb ist unser Beitrag zu der Kultur, aber auch zu der Gemeinde, sehr wichtig. Zudem bieten wir eine Plattform zum Austausch über die verschiedensten Themen, weil wir das eben kuratorisch im Programm machen. 

Wie kommt ihr denn auf die Filme, die ihr anbietet?

Wir schauen tatsächlich nicht alle Filme an, bevor wie sie ins Programm nehmen. Oft werden sie nach Gefühl ausgesucht oder je nachdem, ob es was für die Stadt ist oder nicht. Also es wird viel anhand von Trailern, Rezensionen und Filmfestivals entschieden. Was uns als Kommunales Kino auch auszeichnet, ist, dass wir als Joker in der Hinterhand noch einen ehrenamtlichen Programmrat haben. Die agieren tatsächlich rein im Hintergrund, aber kuratieren das Programm mit. Gerade für Sondervorstellungen, die wir bieten, ist dieses aktive Gremium im Hintergrund mit dabei. In der Programmplanung sind wir aber auch relativ offen und befassen uns gerne mit Programmvorschlägen und laden auch öffentlich zu diesem Programmratstreffen ein. 

 Wie findest du PFNext?

Als Ratschlag würde ich sagen, dass man vielleicht mehr zusammen mit anderen Leuten macht, die ähnliche Ziele haben. Zum Beispiel während alles geschlossen war vor ein paar Monaten gab es sehr viele einzelne Plattformen, die versucht haben, etwas auf die Beine zu stellen. Seien es die Handelsgutscheine oder eine Anlaufstelle für Take-Out Essen und so weiter. Wenn man da die Mächte gebündelt hätte, wäre es wahrscheinlich effektiver und umfangreicher gewesen. Also für zukünftige Situationen kann man das ja im Hinterkopf behalten. Aber das, was ich bisher von Pforzheim Next mitbekommen habe, fand ich immer spannend. 

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