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Café Exil5 min read

11. September 2020 4 min read

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Das Café Exil gibt es schon seit 1991 und gehört zum Brötzinger Stadtbild. Die rustikale und zwanglose Einrichtung lädt einfach zum Verweilen ein. Wer Lust auf Action hat stellt sich an den Billardtisch. Erfahre noch mehr über Olaf und das Café Exil in unserem Interview.

Wer bist du?

Mein Name ist Olaf Falke und ich bin 63 Jahre alt. Seit 1991 betreibe ich das Café Exil. Zuvor hatte ich ein Lokal in Königsbach, das Jam. Berufsmäßig bin ich eigentlich Vermessungsingenieur und habe in Karlsruhe studiert. Nach meinem Abschluss habe ich aber keine Stelle in diesem Berufsfeld gefunden und dadurch, dass ich immer in Kneipen und Discos gearbeitet habe, um das Studium zu finanzieren, war die nächste Idee mich selbstständig zu machen.

Wie lautet dein Konzept?

1991 war ja eine ganz andere Zeit. Das Motto war schon immer „Café, Kneipe, Bar“ und ich wollte den Leuten etwas anderes bieten. Zudem war die Musik auch federführend bei dem Konzept, ist sie auch immer noch. Bei uns läuft eher Alternativ, Indie und Rock Musik und nicht die Mainstream Musik die durch die Jahre gelaufen ist. Irgendwann fing ich dann auch an Konzerte hier zu organisieren, was dann einmal bis zweimal im Monat stattgefunden hat und immer noch ab und zu stattfindet.

Wir wandeln dann das Café zu einer kleinen Konzerthalle um. Das Konzept ändert sich aber auch im Laufe der Zeit und mittlerweile sind wir eher ein Stammpublikums-Lokal geworden. Durch den Verlust der Einzelhandelsgeschäfte in Brötzingen ist auch die Laufkundschaft weggebrochen, was dann zu dem Wandel zum Stammpublikums-Lokal beigetragen hat. Insgesamt versuchen wir aber ein solides Konzept anzubieten, welches Wert auf Dienstleistung, Preis-Leistung und den Café- und Barcharakter legt.

Warum hast du das Exil in Pforzheim eröffnet?

Als ich in Königsbach zugemacht habe, war ich auf der Suche nach einem Lokal. Ich wollte unbedingt etwas mit einem Außenbereich und relativ guten Parkmöglichkeiten haben. Zusätzlich gibt es hier ja auch zwei weitere Wirtschaften in der Straße, das „il Clerenc“ und den „Club de Amigos“. Außerdem hat mir Brötzingen als Stadtteil schon immer gefallen. Es hat also alles gepasst. Als glücklichen Zufall haben wir auch eine Wohnung direkt gegenüber gefunden.

Was verbindet dich noch so mit Pforzheim?

Ich bin gebürtig Hamburger, bin aber mit zwei Jahren schon nach Süddeutschland gezogen. Zuerst nach Landau, dann Dietlingen und daraufhin nach Pforzheim beim Benckiserpark, wo meine Eltern einen Lebensmittelladen aufgemacht haben. Zu der Zeit war ich elf Jahre alt und habe somit auch einen Großteil meiner Schulzeit hier verbracht. Ich war in ein paar Vereinen tätig und habe oft das Haus der Jugend besucht und war viel in Kneipen und Clubs unterwegs. Also mittlerweile bin ich in Pforzheim einfach verwurzelt.

Worauf bist du besonders stolz?

Dass das Exil zum Treffpunkt für unterschiedliche Leute geworden ist, die uns teilweise immer noch begleiten. Von jung bis alt, vom Arbeitslosen bis zum Ingenieur. Mein Ziel war es schon immer, ein Forum für das zu bieten, was in Pforzheim eher weniger verbreitet ist. Von der alternativen Musik mit unterschiedlichen und internationalen Bands, zu den Konzerten, Billard und Skat-Turnieren und so weiter. Das bunte Angebot, die guten und langjährigen Beziehungen zu meinen Kunden und unsere lange Lebensdauer, auch wenn sie Höhen und Tiefen hatte, und unser Beitrag zur Pforzheimer Kultur machen mich insgesamt am meisten stolz.

Was war das schönste, das dir hier passiert ist?

Es gibt viele Konzerte und Partys die einmalig und schön waren. Das kann man jetzt nicht, vor allem da es uns schon so lange gibt, auf eine Begebenheit festlegen. Ich würde mal behaupten, dass wir eine sehr bewegte Geschichte haben und die schönen Events, Konzerte, Partys und so weiter sind zu zahlreich, um mich auf eins oder sogar nur ein paar festzulegen. Im Großen und Ganzen machen wir unsere Geschichte hier schon gut und sind meiner Meinung nach immer noch eine gute Adresse in Pforzheim.

Was ist deine Lieblingslocation in Pforzheim?

Schwierige Frage, dadurch dass ich im Moment nicht groß wegkomme, zumindest von Brötzingen. Wenn wir Mal Essen gehen, gehen wir gerne ins Alte Pfarrhaus oder in die Amalienstube hier in der Nähe. In die Stadt gehe ich mittlerweile so gut wie gar nicht mehr, aber als ich früher noch unterwegs war, bin ich gerne ins Ozon und in die Sensi-Bar gegangen.

Gibt es etwas Außergewöhnliches bei dir zu kaufen?

Mir fällt jetzt nichts ein, wir haben ein Standard-Angebot. Dazu gehört eine große Auswahl an Spirituosen, ein Exil Bier, welches eine Art französisches Bier ist, Rothaus Bier und alkoholfreie Getränke. Wir haben auch eine Zusammenarbeit mit „Zum Faulenzer“ gegenüber. Man kann dort Essen vom Mittagstisch zum Beispiel bestellen und hier Essen.

Was sollte sich deiner Meinung nach in Pforzheim ändern?

Was im Rathaus passiert ist manchmal relativ fragwürdig. Den Geldfluss in das Innenstadt-Ost Projekt, der auch zum Beispiel bei den Bädern, Schulen und Kindergärten gebraucht wird, könnte  man überdenken. Wir sind per Definition eine Großstadt aber verhalten uns teilweise wie eine Provinzstadt.

Das Studentenangebot sollte wachsen und unsere Stadt sollte entlastet werden, was die Flüchtlingsunterkünfte anbelangt. Wir sind die Stadt mit der größten Arbeitslosen Quote in Baden-Württemberg und das hilft diesem Problem eher weniger. In eine Stadt die an sich schon so viele Arbeitslose hat, sollte man nicht noch mehr Leute bringen die dann keine Arbeit finden, auch wenn sie es wollen.

Welche Auswirkung hat das Exil auf Pforzheim?

Ich bin nach wie vor eine Anlaufstelle für viele verschiedene Leute, auch für viele Menschen die aus Pforzheim weg gezogen sind und dann Mal wieder zu Besuch kommen.

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