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Designers in Residence 20218 min read

21. Januar 2021 5 min read

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Designers in Residence 20218 min read

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Stipendiaten für 2021 stehen fest.

(stp). Freiheit, um eigene Ideen auszuprobieren, finanzielle Unabhängigkeit und ein breites Netzwerk an Kreativschaffenden – mit dem Stipendium „Designers in Residence“ in Pforzheim erhalten drei internationale Nachwuchsdesigner erneut die Möglichkeit, von April bis Juni 2021 im EMMA – Kreativzentrum Pforzheim an einem Projekt ihrer Wahl zu arbeiten. „Designers in Residence“ wird seit 2016 von der Stadt Pforzheim in Kooperation mit der Hochschule Pforzheim und dem Design Center Baden-Württemberg ausgeschrieben. Aus über 270 Bewerbungen aus 51 Ländern wählte die Jury Marina Aleksashina aus Russland, Caio Mahin aus Brasilien/Portugal und Naama Levit aus Israel/USA aus.

„Für junge Designer ist es extrem wichtig, sich drei Monate lang nur auf ihr eigenes Projekt fokussieren zu können, wozu ihnen sonst der Freiraum fehlt. Daher haben wir uns auch bewusst dafür entschieden, den Stipendiaten den Aufenthalt in Pforzheim trotz der erschwerten Bedingungen durch die COVID19-Pandemie zu ermöglichen“, sagt Almut Benkert, Fachbereichsleiterin Kreativwirtschaft beim Eigenbetrieb Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim. 

Stipendiaten von Designers in Residence 2021

Die Modedesignerin Marina Aleksashina aus Russland möchte nicht nur reine Designobjekte schaffen, sondern erzählt mit ihren Kollektionen Geschichten und arbeitet gesellschaftliche Themen auf. Während ihres Stipendiums möchte sie sich mit der Auferlegung von Rollen und der Übertragung von Erwartungen durch Kleidung beschäftigen, und zwar durch die Vermischung von Attributen aus Militärkleidung und Karnevalskostümen, mit denen Kinder sich als Erwachsene verkleiden: „Ich sehe mein Projekt als Arbeit an der Schnittstelle von Mode und zeitgenössischer Kunst, die eine Geschichte vom Erwachsenwerden und dem Spiel mit der Veränderung unserer Rollen und Erwartungen erzählt“, so Marina Aleksashina über ihr Vorhaben. Ihrer Kollektion legt sie dabei das Gefühl eines Kindes zugrunde, das zum ersten Mal etwas Fremdes und Eigenartiges aus der Welt der Erwachsenen entdeckt. Am Ende der drei Monate möchte sie ihre Arbeit in Form einer Installation, eines Videos und Animationen präsentieren. „Marina Aleksashina hat durch ihr starkes Portfolio überzeugt, das zeigt, wie sie konzeptgesteuerte und politische Themen sehr verständlich und emotional umsetzt. Ein spannender Aspekt war zudem, dass sie einen Schritt weiter gehen und nicht nur Kleidungsstücke präsentieren möchte“, begründet Amelie Gaydoul die Entscheidung der Jury.

Marina Aleksashina ist in Moskau geboren und aufgewachsen. Sie studierte akademisches Zeichnen und Malerei und anschließend Modedesign und Art Direction in der Modeindustrie an der HSE Art and Design School in Moskau. Während ihres Studiums interessierte sie sich für soziale und politische Aspekte des zeitgenössischen Designs, was sie auch in ihre Abschlusskollektion einfließen ließ. Mit ihrer Abschlusskollektion erreichte sie das Finale der Design Graduiertenshow von i-D und Artsthread. Neben ihren Modedesign-Projekten interessiert sie sich für interdisziplinäres Design und die Entwicklung von Designräumen. 2018 gewann Marina Aleksashina den Wettbewerb von Hermès zur Gestaltung von Schaufenstern in Moskau.

Die Schmuckstücke des brasilianischen Schmuckdesigners Caio Mahin transportieren sowohl eine sehr persönliche Geschichte als auch eine politische Botschaft: Caio Mahins erste Erfahrungen mit Schmuck waren sehr schmerzhaft: In Brasilien aufgewachsen, äußerte er als 9-jähriger Junge den Wunsch, sich die Ohren piercen zu lassen. Daraufhin drohte sein Vater, ihm selbst mithilfer einer rostigen Gartenharke ein Ohrloch zu stechen. Die weibliche Aura des Schmucks wurde für Caio Mahin so zur Gefahr, repräsentierte jedoch gleichzeitig sein tiefstes Bedürfnis nach einer Ausdrucksform. In seiner letzten Arbeit erforschte er die Ursprünge dieses Jungen, der sich die Ohren piercen lassen wollte und beschäftigte sich zudem mit der ästhetischen Konstruktion von Geschlechterrollen und Stereotypen, was dieses Projekt zu einem politischen Thema mit einer queeren Perspektive macht. In Pforzheim möchte er diese Arbeit weiter fortführen und vertiefen.

“Caio Mahin ist ein junger Künstler, der schon früh mit den Härten des Lebens konfrontiert wurde und aufgrund seiner persönlichen Orientierung harscher Kritik, auch aus dem Elternhaus, ausgesetzt war. Er kreiert Schmuck, der die Betrachter mit Gesellschaftskritik an unverändert aktuellen Themen wie Rassismus und Sexismus konfrontiert, gleichzeitig aber auch besänftigt und vermittelt. Ich bin sehr gespannt, wie Caio Mahin diese Themen mit neuen Materialien und Techniken in neue Schmuckstücke umsetzt” so Jurymitglied Sam Tho Duong. 

Caio Mahin, geboren 1991 in Recife, ist ein brasilianischer Schmuckkünstler mit Sitz in Lissabon, Portugal. Er studierte Design an der Universidade Federal de Pernambuco in Brasilien mit einem Sandwich-Stipendium des brasilianischen Regierungsprogramms „Wissenschaft ohne Grenzen“ am Rochester Institute of Technology (USA), wo er zum ersten Mal mit zeitgenössischem Schmuck in Kontakt kam. Nach dem Abschluss einer dreijährigen Spezialisierung in Schmuck an der ArCo (Portugal), realisiert er derzeit ein unabhängiges Projekt, das teilweise durch das Tereza Seabra-Stipendium für ArCo-Studenten finanziert wird.

Das dritte Stipendium erhält Naama Levit aus Israel, die in New York lebt und arbeitet. Sie beschäftigt sich mit aktuellen Konzepten des „zu Hause“ und des privaten Raums und stellt Fragen nach Mobilität, Nomadentum und Identität. Während ihres Aufenthaltes in Pforzheim möchte sie eine interdisziplinäre „nomadische Installation“ schaffen, mit Objekten, Schmuck, Möbeln und Materialien, die Vertrautheit hinterfragen. Dazu sammelt sie Materialien, dokumentiert Formen und Räume und beobachtet, welche persönlichen Gegenstände die Menschen in ihrer Umgebung am Körper tragen. Ihre Fundstücke zerlegt sie, erforscht ihr Umwandlungspotential und schafft daraus neue Objekte. „Durch die gute Infrastruktur ist Pforzheim ein fantastischer Ort für mich, um meine Arbeit und mein Fachwissen weiterzuentwickeln“, freut sich Naama Levit. „Naama Levit geht an ihre Arbeit völlig unvoreingenommen heran, lässt sich vom Moment der Begegnung mit Materialien inspirieren und schafft mit ihre Kreativität eine erstaunliche Vielfalt an phantasievollen Objekten. Sie steht allen Techniken mit Offenheit und Neugierde gegenüber. Naama Levit möchte ihr aktuelles Projekt –Nomadic Souvenirs- weiterentwickeln, indem sie an verschiedenen Orten Arbeitsmaterialien, Formen und Räume aufgreift und durch sorgfältige Montage-Prozesse collagiert“, erläutert Jurymitglied Stefan Lippert.

Naama Levit wurde in Jerusalem geboren, momentan lebt und arbeitet sie in New York. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Erforschung von Materialien und ihrem Potential zur Transformation. Dabei bewegt sie sich interdisziplinär zischen den Bereichen Schmuck und Objekten, Installation, Performance und Fotografie. Naama Levit studierte Schmuckdesign an der Bezalel Academy of Art and Design in Jerusalem und absolvierte den Master in Metallkunst an der Cranbrook Academy of Art in Michigan, USA. Sie erhielt eine Reihe von Auszeichnungen, darunter den Mercedes Benz Emerging Artist Award, das Verdienststipendium der Cranbrook Academy of Art und das Haystack Mountain AIDA-Stipendium der School of Craft. Ihre Arbeiten wurden bereits in Museen in Israel, in Galerien in den Niederlanden, Deutschland, Polen und Detroit, USA ausgestellt.

Die drei Designer werden von April bis Juni 2021 in Pforzheim wohnen und im EMMA – Kreativzentrum Pforzheim durch Designers in Residence an ihren Projekten arbeiten.

Für den Zeitraum des Stipendiums erhalten die Designer eine kostenlose Unterkunft sowie eine monatliche finanzielle Förderung. Darüber hinaus können die Stipendiaten die Infrastruktur und die Angebote der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim im Rahmen des Stipendiums nutzen. Im Anschluss werden die Ergebnisse in Ausstellungen im EMMA – Kreativzentrum sowie im Design Center Baden-Württemberg, Stuttgart präsentiert. 

Informationen zur Jury

Sam Tho Duong besuchte nach seiner Goldschmiedelehre am Berufskolleg für Design, Schmuck und Gerät in Pforzheim und bei der Dr. Wellendorff GmbH die Hochschule für Gestaltung in Pforzheim, die er 2002 mit einem Diplom abschloss. Seither arbeitet er als freischaffender Designer und ist für seinen detaillierten und vielschichtigen Körper- und Halsschmuck bekannt, v.a. für seine Kollektion „Frozen“ aus Süßwasser-Reiskornperlen. Seine Arbeiten sind Teil privater und musealer Sammlungen, u.a. im Schmuckmuseum Pforzheim, im Museums of Art and Design in New York oder im CODA Museum Apeldoorn. Darüber hinaus erhielt er zahlreiche Preise, u.a. den Staatspreis Baden-Württemberg, den Friedrich Becker Preis oder den Herbert-Hofmann-Preis.

Amelie Marie Gaydoul studierte Modedesign an der Hochschule Pforzheim. Anschließend arbeitete sie bei Norse Projects in Kopenhagen als Menswear Designerin. Seit 2014 ist sie Stipendiatin in der Kreativförderung der Studienstiftung des Deutschen Volkes und absolvierte im Jahr 2019 an der University of Westminster in London ihren MA in Menswear. Seither war sie bei Givenchy im MRTW Design Team tätig. Zurzeit lebt sie in Kopenhagen und arbeitet freiberuflich als Menswear Designerin für Unternehmen in London, Paris und Kopenhagen.

Stefan Lippert ist einer der geschäftsführenden Gesellschafter des UP Designstudios, das zu den größeren Beratungsunternehmen für Produktdesign in Deutschland gehört. Das Büro arbeitet für seine überwiegend marktführenden Auftraggeber im Themenkreis Nutzerorientierung– Innovation– Design. Die Arbeiten von UP Designstudio wurden bis heute mehr als vierzig Mal mit renommierten internationalen Designpreisen ausgezeichnet. Neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer und Berater bei UP Design-studio ist Stefan Lippert auch als Startup-Unternehmer aktiv. So entstanden unter seiner Leitung jeweils in der frühen Phase das ELMOTO Elektromotorrad und die GIBBON Slacklines.

EMMA – Kreativzentrum Pforzheim

Das EMMA – Kreativzentrum Pforzheim ist die zentrale Plattform für Pforzheims Kreative. In einem ehemaligen Jugendstilbad an der Enz gelegen, bietet das Kreativzentrum auf einer Fläche von 3.000 Quadratmeter Werkstatt-und Coworking-Arbeitsplätze, Ateliers, Büros und Ausstellungsflächen. Auch die Stadt selbst zeichnet sich durch eine lebendige Kreativszene mit Schwerpunkt auf den Bereich Design aus. Zahlreiche Hochschulabsolventen, Existenzgründer, Freelancer und Unternehmen aus der Kreativwirtschaft arbeiten in Pforzheim und beleben den Standort.„Designers in Residence“ wird unterstützt von der Sparkasse Pforzheim Calw, C. Hafner GmbH + Co.KG, dem Rotary Club Pforzheim-Schloßberg, Witzenmann GmbH, La Biosthétique, Klingel Gruppe und yellow design gmbh.

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